Schweizer lieben Fisch zu sehr

 

9,1 Kilogramm Fisch und Meerestiere essen Herr und Frau Schweizer im Jahr, wie einer Mitteilung des WWF Schweiz zu entnehmen ist. Allein in den letzten drei Jahren nahm der Konsum um 24 Prozent zu, insgesamt sind es 71 011 Tonnen, die verzehrt werden.

 

Über das weltweite Dilemma der überfischten Meere wird bald täglich berichtet. 95 Prozent unseres Konsums werden importiert und ein Drittel der Gesamtmenge stammt mittlerweile aus Zuchten. Weil Zuchtfische meist mit Fischmehl und Fischöl gefüttert werden, tragen sie indirekt ebenfalls zum Leerfischen der Meere bei. Die Situation beim Wildfang ist angespannt, denn die Bestände vieler beliebter Meeresfische sind überfischt oder stehen kurz davor. Jährlich landen Millionen von Fischen und Meerestieren als unerwünschter Beifang in den Netzen und werden ungenutzt über Bord geworfen.

Damit Konsumenten sehen, welchen Fisch sie guten Gewissens kaufen können, hat der WWF seinen Ratgeber «Fische und Meeresfrüchte» neu aufgelegt. Es gibt ihn als ­kostenlose WWF-Ratgeber-App für das iPhone oder für  Android-Handys. (www.wwf.ch/fisch, info@wwf.ch, Telefon 044 297 21 21).

Der WWF empfiehlt bei Wildfang Fisch mit dem MSC-Label zu kaufen, bei Zuchten auf das Bio-Label zu achten oder einheimische Seefische zu kaufen.

 

 

 

 

Greift die EU-Kommissarin durch?

 

Die Griechin Maria Damanaki ist in der EU zuständig für Maritime Angelegenheiten und Fischerei und tritt gegen die Fisch-Mafia an. Sie will die Fischfangquoten an wissenschaftliche Empfehlungen knüpfen.

 

Weitere Massnahmen sind die Halbierung der Anzahl Fischerboote in Europa, die Streichung der Fischerei-Subventionen und eine Verschärfung der Kontrollen. Sie will die Fischereipolitik komplett umkrempeln und bis 2013 eine Reform vorlegen. Sie ist ständig auf Reisen um Kompromisse zu finden. Ihre Gegner sind stark, denn die Fischfang-Nationen wie Spanien, Portugal, Dänemark, Frankreich und Italien verfügen über grosse Fangflotten und beschäftigen 400 000 Menschen. Ausserdem werden sie von den jeweiligen Ländern teilweise kräftig subventioniert. Frau Damanaki glaubt, ein Zeichen des Wandels zu erkennen.

 

 

 

 

Ausnahmen im neuen Tierschutzgesetz

 

Das neue Schweizer Tierschutz­gesetz legt das Schwergewicht auf die Ausbildung. fair-fish moniert, dass die Ausbildung durch grosszügige Ausnahmen unterhöhlt würden, die den Vollzugsbehörden ihre Aufgabe erschweren.

 

Es beginnt bei der Übergangsbestimmung wonach Personen – seien es Berufsfischer, Fischzüchter, Zierfischhändler oder Hobby Fischer – die bereits drei Jahre mit der betroffenen Tierart zu tun hatten, keinen Kurs mehr besuchen müssen. Natürlich bringt es wenig, jemanden zu einer Ausbildung zu zwingen, der bereits über solides Wissen verfügt. Aber das ist noch keine Garantie, dass der Betreffende mit den Fischen rücksichtsvoll umgeht.

Das Tierschutzgesetz soll von der Behörde vollzogen, die am meisten Wissen hat. fair-fish hatte verlangt, auch in der Fischerei den Vollzug den Kantonstierärzten zu überantworten. Der Bund beauftragte damit aber die Fischereiämter. An einer Umfrage von fair-fish beteiligten sich 16 von 23 Kantonstierärzten, aber lediglich 10 von 27 kantonalen Fischereiämtern. fair-fish vermutet, dass dies daran liegt, dass für die meisten von ihnen die Aufgabe neu ist. Für Kantonstierärzte zählen vor allem Betäubung und Tötung der Fische sowie der Handel mit Zierfischen. Fischereiämter sehen ihre Aufgabe im Tierschutzvollzug, vor allem in der Berufs- und Freizeitfischerei.

 

Fehlender Nachweis

Beide Gruppierungen sind sich einig, dass die Mehrheit der Fischzüchter und Berufsfischer über keinen formellen Nachweis verfügt. Die meisten würden eine Prüfung wohl gut überstehen, aber man weiss es nicht. Die Kantone haben eine Frist bis 2013, sich um dieses Problem zu kümmern. 

 

 

 

 

Comeback des Melander?

 

Die Probleme um die im Februar 2010 stillgelegte Fischfabrik «Melander» des Unternehmers Hans Raab sind noch in frischer Erinnerung. Nun will er seinen Betrieb trotz der verbotenen Tötungsmethoden wieder in Gang bringen.

 

Beunruhigt zeigt sich der Verein fair-fish, weil Hans Raab offenbar die selbe Tötungsmethode der Fische anwenden will, die der Schweizer Tierschutzverordnung widersprechen und die zur Schliessung seines Betriebes durch die St. Galler Behörden führte. Der Verein hatte dem Unternehmer im März 2009 einen konkreten Vorschlag für eine rasch praktikable Lösung unterbreitet, was Raab aber ablehnte. Sollte er nun nicht innert vernünftiger Frist einlenken, erwartet der Verein, dass die St. Galler Behörden die nötigen Massnahmen ergreifen, die bis zu einem Verbot der Tierhaltung hinauslaufen dürften.Es wird darauf hingewiesen, dass er seine Methoden auch in Deutschland oder Österreich nicht anwenden darf, so dass eine Auslagerung der Fischzucht obsolet ist.

 

Fisch News

Global Fresh Foods bietet eine Verpackung an, die Fisch 30 Tage lang frisch hält. Das funktioniert unter «kontrollierter Atmosphäre»: hohem Co2-Gehalt und der Abweisung von O2. So könnte der Fisch per Schiff statt mit dem Flugzeug transportiert werden ohne Aufwand fürs Tiefkühlen. Wir gestatten uns, ein Fragezeichen zu setzen.

Nigeria: Öl schädigt Fische: Artisanale Fischer und Fischzüchter klagen über häufige Fälle von Ölverschmutzung und darüber, dass der Ölmulti Mobil die Entschädigungen so spät ausrichtet, dass die Be­troffenen ihren Betrieb aufgeben müssen. Die Behörden sind machtlos, weil sie sich auch logistisch völlig vom Ölkonzern abhängig gemacht haben.

Strafe für Hummerquäler: Der Verwaltungsgerichtshof in Wien hat einen Angestellten einer Handelskette belangt, der lebende Hummer in einem nackten Aquarium angeboten hatte. Damit seien arteigene Bedürfnisse der Krebse verletzt worden. Die Strafe: 316 Euro. Jetzt braucht es noch eine entsprechende Änderung des Tierschutzgesetzes.