Der allererste Schweizer Raucherguide im Kanton Zug 

 

Erfahrungen mit dem Rauchverbot im Kanton Zug sammelte das Kompetenz-Zentrum für das Gastgewerbe und die Hotellerie AG. Am 1. März 2010 trat im Kanton Zug das Rauchverbot in Kraft. Welche Auswirkungen hat dieses Verbot auf die Gastronomie?

 

Von Michael Hostmann *

 

Zuerst noch eine wichtige Feststellung. Am 1. März konnte der Gast nur in 61 von total 532 gastgewerblichen Betrieben, die es im Kanton Zug gibt, rauchen. Ende April waren es schon 84 Betriebe, in denen der Gast rauchen kann (= 15,8 Prozent). Und die Tendenz nach noch mehr Raucherlokalitäten wird zunehmen, denn die Betriebe, in denen nicht mehr geraucht werden darf, haben zum Teil einen grossen Umsatzeinbruch – bis zu 20 Prozent und sie müssen etwas machen.

 

Statistik

Aber was zeigt die 1. Kantonale Statisik, die es überhaupt in der Schweiz gibt, nämlich die vom Kanton Zug? Wir haben diese erhoben: Die Anzahl der Betriebe, in denen geraucht werden kann, ist in den elf Gemeinden des Kantons sehr unterschiedlich. Auf 9 125 Einwohner in Steinhausen kommt eine Rauchermöglichkeit – in der Stadt Zug auf 1 210 und in Neuheim auf 677 Einwohner. Total im ganzen Kanton gibt es für 1 365 Personen (inkl. Kinder!) eine Rauchgelegenheit. In welchem Segment kann im Kanton Zug am meisten geraucht werden? Es ist möglich bei:

– 44 Prozent Bars, Pubs, Bistros

– 39 Prozent Alpewirtschaften/Besenbeizen

– 21 Prozent Restaurants/Hotels

– 18 Prozent Cafés

– 5 Prozent Clubs/Veranstaltungsräume

– 2 Prozent Kioske

– 0 Prozent Personalrestaurants

Total kann im Kanton Zug in 17 Prozent aller Betriebe des Gastgewerbes geraucht werden.

 

Noch wichtig: In keinem der 54 Restaurants, Cafés oder Bars der Gastro-Ketten im Kanton Zug kann geraucht werden. Die Gastro-Kettenbetriebe sind in der Regel viel grösser als 80m2 und haben keine ungenutzten Räume, die man als Fumoir benutzen könnte. Oder besonders die Betriebe der Café-Ketten wollen rauchfrei sein.

 

Erste konkrete Auswirkungen des Rauchverbots

1. Der Umsatz in den klassischen «Stammtischrestauants», wo nicht mehr geraucht werden kann, geht zurück. Erste Zahlen sprechen von bis zu 20 Prozent Umsatzrückgang. Insbesondere der «Morgenkaffee» mit der Zigaretten-Pause verlagert sich in die «Raucherbeiz».

2. Die Bars, Pubs und Bistros, in denen geraucht werden darf, sind beim Nachmittag-/Abend-Apéro voll mit Gästen und wo nicht geraucht werden darf, findet der Gast immer einen Platz.

3. Der Gast im Speiserestaurant verkürzt am Abend seinen Aufenthalt nach dem Essen. Viele Zusatzverkäufe fallen dahin, weil der Gast nach draussen muss, um zu rauchen, oder er geht früher nach Hause. Dies gilt ebenfalls für Familienfeiern u.ä.

4. Bei den «Freiluft-Raucherbars», die sich vor dem rauchfreien Restaurant befinden, gibt es schon die ersten Beschwerden der Anwohner wegen Ruhestörung. Darum hat eine Bar viel Geld für die Lüftung investiert und nun darf «in» der Bar – und nicht mehr nur draussen – geraucht werden.

5. Nicht alle Fumoirs werden gut besucht. Sie müssen schon ins Betriebskonzept passen und dürfen nicht zu sehr abseits, z.B. im Keller liegen.

6. Manche Wirte/innen und auch das Servicepersonal haben einen Arbeitsplatz ohne Rauch gerne. Zum rauchen gehen sie aber permanent vor die Türe.

7. Viele der treuen rauchenden Einzelstammgäste haben das rauchfreie Restaurant verlassen und gehen nun in ein Raucherrestaurant.

8. Auch Restaurants mit Spitzenköchen wie Stefan Meier vom Ratshauskeller in der Stadt Zug haben die Zeichen der Zeit erkannt und ein Fumoir eingerichtet.

9. Gäste, die gerne wandern und die frische Luft lieben, besuchen Alpwirtschaften und Besenbeizen. In fast 40 Prozent dieser Betriebe kann der Gast rauchen und dies in echter und historischer «schweizerischer Atmosphäre».

Wie sieht die Zukunft aus?

In naher Zukunft.

1. Die Zahl der Raucherbetriebe wird weiter steigen. Das Kompetenz-Zentrum rechnet mit einem Anteil von über 20 Prozent aller gastgewerblichen Betriebe. Für den Kanton Zug bedeutet dies, dass es noch rund 25 bis 30 neue Raucherbetriebe geben wird. Insbesondere im Bar-, Pub- und Bistro-Segment und bei den Clubs von Vereinen und Veranstaltungsräumen.

2. Die Öffnungszeiten der rauchfreien Restaurants werden sich verkürzen. Vormittags später auf und Abend früher zu. Und so manche Beiz wird auch am Nachmittag schliessen, dies aber erst im Herbst und Winter 2010, wenn der Gast nicht mehr im Garten sitzt.

3. Die Anzahl der Raucherclubs – wo der Gast Mitglied ein muss – wird weiter steigen, erst drei gibt es heute im Kanton Zug.

4. Für die jungen Leute bleiben viele Möglichkeiten offen, in einem gastgewerblichen Betrieb ihres Geschmacks zu rauchen. Für die ältere Stammtischgeneration wird es sehr schwierig, noch einen Platz zu finden, wo geraucht werden kann. Ausnahme ist halt die Alpwirtschaft.

 

In ferner Zukunft:

Sollte in zwei bis drei Jahren wirklich in keinem öffentlichen Betrieb mehr geraucht werden dürfen, werden Pivatclubs kommen –  und den Stammtisch für immer begraben 

–  und somit einen Teil der echten und wirklichen Schweizer Kultur. Dies trifft vor allem ältere Leute.

 

 

* Michael Hostmann Kompetenz-Zentrum für das Gastgewerbe und die Hotellerie AG, Kriens 

Telefon 041 349 10 39 

hostmann@kompetenz-zentrum.com

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